Tipps für Leseanfänger

Wie gemeinsames Lesen Spaß macht, ohne zu überfordern:

Ich lese einen Abschnitt vor, gerade soviel, wie das Kind Satzmelodie und Inhalt im Ohr hat, aber ihn nicht auswendig nachsagen kann.

Hier erfasst das Kind den Sinn und hat auch den Rhythmus im Ohr. Trotzdem muss es den Text erlesen. Ein sehr gute Methode, gerade für Leseanfänger. 


Ich lese (langsam) vor, das Kind liest mit den Augen mit. Irgendwann höre ich auf und das Kind liest die nächsten Wörter.

Eine gute Methode um einen  interessanten Text zu bewältigen.


Ich lese die langen Wörter, die kurzen das Kind.

Eine Übung damit sich die Grundwörter automatisieren, d.h. auf einen Blick erkannt werden. Das hat den Vorteil, dass das Lesen schneller vonstatten geht, da nur die längeren, schweren Wörter entziffert werden müssen.


"Ich ein Satz, du einen Satz."

Das Kind freut sich königlich, wenn es einen kurzen Satz erwischt. Manchmal lese ich daher "aus Versehen" mal einen mehr.  


Einen Comic zusammen lesen, das Kind ist Asterix, ich Obelix.

Wichtig ist immer dass das individuelle Interesse des Kindes berücksichtigt wird und Lesen Spaß macht, egal ob Goethe oder Micky Maus. 


 


Lesen lernen und Motivation

Bei Büchern soll darauf geachtet werden, dass sie lesefreundlich gestaltet sind. Leseschwache Kinder lassen sich sonst zu schnell abschrecken. Ein Problem ist dies bei Literatur für ältere Kinder. Aber leider gibt es viele Kinder, die auch mit 12 Jahren noch nicht flüssig lesen können. Denen ist die Anfängerliteratur zu kindisch und die geeignete in zu engem Zeilenabstand, zu textlastig usw.  


 

Zwischendurch darf es auch mal an den PC gehen. Hier ist ein hervorragendes Softwareprogramm zum Training der Lesefähigkeit. Ich habe es selber jahrelang in meinem heilpädagogischen Lernstudio genutzt.

Sie sollten das Kind aber nicht nur alleine davor setzen. Im Programm kann man entsprechenden Einstellungen zum Schwierigkeitsgrad  vornehmen, z.B. im Spiel "Tiere anziehen".

 

 


 

Warum hat meine Generation das Lesen im allgemeinen blitzschnell erlernt und die heutigen Kids tun sich so schwer damit?

Vermutung: Bei uns gab es noch keine früher keine Kassettenrecorder, Fernseher, Videos, CDs usw. Wenn man Unterhaltung haben wollte, musste man sich das Abenteuer und die Träume selbst erlesen.

Ich weiß noch, wie ich mir die Nase an einer Buchhandlung platt drückte und versuchte herauszubekommen, wie die Erwachsenen aus diesen schwarzen Strichelchen so schöne Geschichten zaubern konnten. Und ich konnte es mir einfach nicht erklären. Daher habe ich dem ersten Schultag entgegen gefiebert um endlich selber lesen zu können. Es war etwas enttäuschend. Die riesige bunte verheißungsvolle Zuckertüte ausgestopft mit Holzwolle und obenauf ein paar Bonbons und ein Päckchen Salzstangen. Und außerdem lernte ich am ersten Tag nur "Oma" und "Opa" und konnte meine Bilderbücher immer noch nicht entziffern.  Aber nach einem halben Jahr konnte ich flüssig lesen. Abends stand ich heimlich am Fenster und las im Schein der Straßenlaterne. Und manchmal in der Schule auch heimlich unter der Bank, wenn es gerade so spannend war. 

Nachteil: Trotzdem ist meine Sprachfähigkeit nicht so gut wie die meiner Kinder. Denn die sensible Phase zum Spracherwerb liegt in der Vorschulzeit. In meiner Kindheit hat man sich nicht soviel mit den Kindern beschäftigt und diskutiert. Vorgelesen wurde schon, aber eher selten. Meine Kinder hörten in der Vorschulzeit zusätzlich auch viele gute Kassetten / CDs. So viel, wie ich gar nicht hätte vorlesen können. Dadurch haben sich gute sprachliche Fähigkeiten entwickelt, aber der Anreiz selber lesen zu lernen war nicht so da.